Computergenerierte Wirklichkeit - fatal digital?
Es ist ein wunderschöner Morgen, irgendwann im Jahre 2165, kurz nach dem Aufstehen. Die Sonne scheint durch das Fenster, dabei wird der realitätsnahe Eindruck durch die Simulation von Wind und Wasser noch verstärkt.
Seitdem Computer und Grossbildprojektoren für jeden erschwinglich sind, wird auf Glasfenster verzichtet, denn mit dieser modernen Technik kann der Ausblick nun viel individueller gewählt werden. Eine Datenbank bietet hierzu zahlreiche Motive von Wald und Wiesen bis hin zu diversen Skylines.
Die Hologrammprojektoren werden aktiv. Sonne, Sand und blauer Himmel. Es bläst eine kühle Brise Meeresluft ins Zimmer - so lässt es sich arbeiten. Fiktion oder das, was uns in der Zukunft erwartet? Die Schlagworte heißen hier Virtual Reality oder Cyberspace. Synonyme für eine Computertechnologie mit dem Hauch des Fantastischen. Wir betreten eine Welt jenseits aller Grenzen von Zeit, Raum und Materie. An der US-Universität in Washington hat man dazu schon ein 'Virtual Retinal Displaysystem' entwickelt, dass Bilder mit Lichtstrahlen direkt auf die Netzhaut schreibt.
Mancher Vordenker vermittelt die Vorstellung, dass computergesteuerte Kernresonanzsignale in spezifische Hirnregionen eingestrahlt werden, sodass man Lichtreize, Klangerlebnisse, aber auch Düfte registrieren kann. Die Beschreibung solcher Techniken mag zwar utopisch klingen, doch Technologien hierzu sind mindestens ansatzweise bereits vorhanden. Beispiele dazu gibt es längst auch in der Entwicklung und Konstruktion. In Deutschland wird die VR-Technologie vor allem von der Automobilindustrie vorangetrieben. Auf der einen Seite unterstützt diese Technologie die Kfz-Entwickler bei der Beurteilung von Computermodellen. Auf der anderen Seite bietet sie aber die Möglichkeit, ganze Fertigungsanlagen im Computer abzubilden und auf mögliche Kollisionen in der Prozesskette zu untersuchen.
Gehen wir noch einmal in die Zukunft. Wie wäre es denn mit 'Stressabbau durch Instant-Ferien'? In den Technologiewerkstätten arbeitet man schon an Ganzkörperscannern, mit denen es machbar sein wird, einen Wunschpartner mit in den Computer zu nehmen. Wirklich traumhafte Aussichten. Cyberspace als die revolutionäre Veränderung von Kommunikation, Wahrnehmung und Bewusstsein? ...
Quelle:
Fachmagazin 'Konstruktionspraxis' (2001)









